München, 14. April 2010: Die Häufigkeit von Neuerkrankungen an Darmkrebs, die so genannte Darmkrebsinzidenz, ist im Nordosten Bayerns am höchsten. Je weiter südwestlich eine Region in Bayern liegt, desto geringer ist dort die Darmkrebsinzidenz. Das sind Ergebnisse einer Studie zur Darmkrebsprävention, die die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) heute der Öffentlichkeit vorstellte. Ziel der Analyse, die das Institut für Krebsepidemiologie e.V. an der Universität Lübeck (IKE) im Auftrag der KVB erstellt hat: Es soll geklärt werden, ob in Bayern regionale Unterschiede beim Auftreten von Darmkrebs bestehen. „Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, dass insbesondere dort, wo Darmkrebs häufiger auftritt, die Teilnahme an der Früherkennung besonders gering ist. Dies halte ich für bedenklich. Wir müssen die große Bedeutung der Darmkrebsvorsorge weiter intensiv kommunizieren“, so Dr. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der KVB.
Insbesondere sozial schwächere Menschen nehmen die Präventionsangebote anscheinend nicht in ausreichendem Maße wahr. Die Datenanalyse weist einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Darmkrebs sowie sozialen Indikatoren wie niedrigem Einkommen oder hoher Arbeitslosigkeit in den einzelnen Regionen Bayerns auf. Bei kurativen Koloskopien, also Darmspiegelungen, die bei einem Krankheitsverdacht durchgeführt werden, gibt es hingegen keinen relevanten Zusammenhang mit sozioökonomischen Aspekten. Außerdem belegt die Analyse, dass bei etwa 1,2 Prozent aller ambulant durchgeführten präventiven Koloskopien eine Darmkrebserkrankung entdeckt wird, also bei einer von 80 Untersuchungen. Bei den kurativen Darmspiegelungen liegt der Prozentsatz höher, nämlich bei 1,9. Auch über die Altersstruktur bei der Darmkrebsfrüherkennung gibt die Studie Aufschluss. So liegt der Altersdurchschnitt der Menschen, die koloskopisch untersucht werden, bei 58,4 Jahren. Bei präventiven Koloskopien liegt der Altersmittelwert bei 64,8 Jahren, bei den kurativen bei 56,5 Jahren, also deutlich niedriger.
„Die Studienergebnisse sind ein erster wichtiger Schritt, um regionale Unterschiede erkennen und Risikofaktoren identifizieren zu können. Verbunden mit weiteren Analysen sind wir jetzt in der Lage, die Prävention auf regionaler Ebene gezielt zu stärken“, sagte Munte. Bei der Primärprävention im Bereich der Darmkrebsvorsorge muss es zukünftig darum gehen, die Ursachen der regionalen Unterschiede in der Darmkrebshäufigkeit genau zu analysieren und Abhilfe zu schaffen. „Die Menschen müssen bereits in der Erziehung und in der Ausbildung dafür sensibilisiert werden, wie Alkohol, ungesunde Ernährung oder zu wenig Bewegung das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, erhöhen“, forderte Munte. Die Sekundärprävention verfolgt das Ziel, den Menschen die Vorsorge näher zu bringen und sie von der Notwendigkeit der Früherkennung zu überzeugen. Denn Darmkrebs ist, wenn man ihn frühzeitig entdeckt, ein heilbarer Tumor. Trotzdem nehmen in Deutschland jährlich nur rund drei Prozent der gesetzlich krankenversicherten Patienten, denen diese Untersuchung zusteht, an der Darmkrebsfrüherkennung teil.
Um die Teilnahmerate an der Darmkrebsfrüherkennung zu erhöhen, müssten laut KVB-Chef Munte die Menschen gezielt angesprochen, aufgeklärt und zur Darmkrebsvorsorge eingeladen werden. „Wir brauchen in Bayern ein Pilotprojekt für ein organisiertes Einladungswesen. Dabei würden alle Krankenversicherten, die an der Darmkrebsvorsorge teilnehmen können, eine personalisierte Einladung zu einer Präventionsmaßnahme erhalten. Wir hoffen sehr, dass wir uns bald, im Sinne der Versicherten, gemeinsam mit den Krankenkassen über eine Umsetzung in Bayern austauschen werden“, erklärte Munte. Dass die Teilnahme an der Früherkennung durch gezielte Ansprache entscheidend erhöht werden könne, zeige das Beispiel der Brustkrebsfrüherkennung.
Zum Hintergrund der Studie
„Räumliche Karzinomanalyse: regionaler Vergleich der Inzidenz kolorektaler Karzinome in Bayern im Zeitraum 2006-2008“:
Für die Durchführung der Studie hat die KVB dem IKE rund 800.000 Datensätze von elektronisch dokumentierten Koloskopien, also Darmspiegelungen, anonymisiert zur Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um Daten sowohl von präventiven als auch von kurativen Untersuchungen, die aufgrund eines Krankheitsverdachts durchgeführt wurden. Diese Daten hat die KVB in den Jahren 2006 bis 2008 erhoben.
Weitere Informationen zu diesem Thema
Darmkrebs: Sozial Schwächere nehmen Früherkennung weniger wahr
Zusammenfassung der Studienergebnisse "Räumliche Karzinomanalyse"